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Die Gebäude der ehemaligen Reichsabtei zeugen von einer wechselvollen Geschichte. Zusammen mit dem historischen Ortskern zählt die Anlage zu den bedeutendsten Nordrhein-Westfalens. Mit der gotischen Kirche und dem barocken Klostergebäude stehen sich zwei kunsthistorische Epochen gegenüber, die Aufstieg und Niedergang der Abtei gleichsam symbolisieren. Die Kirche spiegelt mit ihrer Anlage und Ausstattung Pilgergeschichte, während die Klosterresidenz mit ihrer prunkvollen Barockausstattung vom Machtanspruch der Äbte erzählt.

Die ehemalige Abteikirche, heute Pfarrkirche St. Kornelius, beherrscht den kleinen Ort, der sich seit dem Mittelalter als Hauptstadt des Klosterstaates entwickelt hatte. Ab 1310 wurde die romanische Vorgängerkirche durch eine gotische Basilika ersetzt. Um den Pilgerstrom zu den biblischen Heiligtümern und den Kornelius-Reliquien regulieren zu können, wurde die Klosterkirche mehrfach erweitert, zuletzt kam 1700 die achteckige Korneliuskapelle hinzu. Von ihrem Dach aus wurden früher bei Heiltumsfahrten das Grabtuch, das Schweißtuch und das Schürztuch Jesu gezeigt. Die Ausstattung der Klosterkirche ist gut erhalten und stammt im Wesentlichen aus dem 18. Jahrhundert, als Johann Jacob Couven sie erneuerte. Zur Webseite der Klosterkirche

Außer der Torburg ist von den mittelalterlichen Klostergebäuden nur wenig erhalten, die heutige Anlage wurde im 18. Jahrhundert im Auftrag des Fürstabtes Alphonse von Suys nach französischem Vorbild errichtet. Sie besteht aus der Residenz des Fürstabtes, der Klosterverwaltung und dem eigentlichen Konvent der Mönche mit Kreuzgang. Nach Norden schließen sich der Abteigarten, die ehemalige Mühle und die Vogtei des Klosters an.

Die Residenz stellt heute das einzige mitsamt seiner Ausstattung vollständig erhalten gebliebene Adelspalais der Stadt Aachen dar. Die qualitätvollen Stuckaturen und Malereien von italienischen und belgischen Künstlern in den Kaiserzimmern und der Wohnung des Abtes thematisieren den Machtanspruch des Bauherrn und der katholischen Kirche. Im Nordflügel mit dem Kapitelsaal haben sich zudem weitere Fresken aus der Entstehungszeit erhalten, welche die Bildergeschichte über das Kloster abrunden.

Doch nicht nur die Gebäude innerhalb der Immunitätsmauer erzählen von der Reichsabtei. Der Ort und seine Umgebung sind geprägt von bedeutenden Denkmälern der Klostergeschichte, der Pilgerfahrten und der Aachener Industriegeschichte. Selten lässt sich heute an einem Ort die Vielfalt des Lebens in einem solchen kleinen Klosterstaat noch ablesen: Der Graben für die Mühle, in der die Einwohner ihr Mehl zwangsweise mahlen mussten; die Vogtei, die juristische Vertretung des Abtes; die Pfarrkirche mit Wehrturm auf dem Berg; das Pilgerhospiz am Marktplatz; die Klause im nah gelegenen Wald bis hin zu der Textilfabrik Roland, die gegründet wurde, um Tuche für die Armee Napoleons zu produzieren.